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Dr. Jacob Langeloh

Dr. Jacob Langeloh

Kontakt

Graduiertenkolleg 1767 “Faktuales und fiktionales Erzählen”
Erbprinzenstr. 13
D-79085 Freiburg

jacob.langeloh@grk1767.uni-freiburg.de

Wissenschaftlicher Lebenslauf

Jacob Langeloh studierte Philosophie und Musikwissenschaft an der Freien Universität Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin sowie für ein Austauschjahr in Budapest (Abschluss M.A. 2009). Er war 2010–2011 Promotionsstipendiat beim Evangelischen Studienwerk Villigst e.V. und Gastmitglied am Internationalen Promotionskolleg „Lern- und Lebensräume: Hof – Kloster – Universität. Komparatistische Mediävistik 500–1600“ am Mittelalterzentrum der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, bis er 2011–2014 als Mitarbeiter an das DFG-Projekt „Von ‚Exekution‘ zu ‚Performanz‘. Eine Begriffsgeschichte musikalischer Aufführung seit dem 18. Jahrhundert“ an der HU Berlin (Leitung: Prof. Dr. Dr. h. c. Hermann Danuser) wechselte. 2015 wurde er an der Freien Universität Berlin promoviert mit einer Dissertation zum Thema: Erzählte Argumente. Exempla und historische Argumentation in politischen Traktaten c. 1265–1325 (Betreuer: Prof. Dr. Wilhelm Schmidt-Biggemann). Im Anschluss war er Mitarbeiter im Projekt „Die Auseinandersetzung der lateinischen Kirche des Westens mit dem Islam während des Basler Konzils (1431–1449)“ (Leitung: Prof. Dr. Ulli Roth) an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Universität Koblenz‑Landau (2016–2019). Seit Juli 2019 ist er Postdoc am Graduiertenkolleg 1767 „Faktuales und fiktionales Erzählen“ an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Forschungsvorhaben: Gebaut für die Ewigkeit? Zeit und Geschichte in narrativen politischen Theorien der frühen Neuzeit

Utopische Erzählungen sind Werke, die sich auf der Grenze zwischen dem Fiktionalen und dem Faktischen bewegen. Sie entwerfen eine Welt, die so nicht ist. Auf der anderen Seite müssen sie genug Realitätsbezug aufweisen, um nicht als reine Erfindung, sondern als noch-nicht realisierter (ou-topia) guter Ort (eu-topia) gelten zu können. Diesen Brückenschlag zwischen Realitätsbezug und Zukunftsprojektion möchte ich anhand von vier klassischen, frühneuzeitlichen Utopieerzählungen beschreiben: Thomas Morus’ Utopia (1516), Tommaso Campanellas Civitas solis (1602), Johann Valentin Andreaes Christianopolis (1619) und Francis Bacons Nova Atlantis (um 1623).

Die Stellung dieser Texte zwischen Fiktionalität und Faktualität soll dabei sowohl inhaltlich wie auch hinsichtlich der Erzählweise der Texte selbst untersucht werden. Als zentrale Dimension dient ihr Verhältnis zur Zeit, ich vermute sogar, dass daran, wie diese Texte Zeit beschreiben und entwerfen, auch deutlich werden kann, wie utopisches Erzählen überhaupt funktioniert. Das Zeitbild, das in diesen Texte entsteht, möchte ich etwa an folgenden Fragen herausarbeiten: Nehmen sie Bezug auf zeitgenössische Ereignisse? Haben die Idealstaaten (wenn es denn welche sind) eine eigene Geschichte, und wie wird diese erzählt? Wie verhält sich die Erzählung des Idealstaates zu historiographischen Erzählungen, die zeitlich oder inhaltlich mit ihr in Zusammenhang stehen? Welche Rolle spielt Zeit in diesen Staaten und wie ist sie strukturiert, sowohl narrativ wie auch organisatorisch? Deutet ihre Konstruktion darauf hin, dass der Staat so in Ewigkeit weiterbestehen könnte, oder ist ein Ende in Sicht?

Anhand dieser Befunde ließe sich besser bewerten, warum Utopien erzählt werden, statt auf hypothetischer Basis abstrakte Staatsmodelle zu entwerfen. Die wirklichkeitskonstituierende Kraft des Erzählens könnte sich als das ideale Vehikel dafür herausstellen, politische Systeme zu entwerfen, sie als denkmöglich zu kennzeichnen und damit auch praktisch zu ermöglichen.

Publikationen

Monographien

  • Langeloh, Jacob (2017): Erzählte Argumente. Exempla und historische Argumentation in politischen Traktaten c. 1265–1325. Leiden, Boston: Brill (Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters, 123).
  • Langeloh, Jacob (2018): Hamburg 1725. Berlin 1765. Wien 1800. Eine Begriffsgeschichte musikalischer Aufführung im 18. Jahrhundert. Mainz: Schott Campus. Verfügbar im Open Access: https://schott-campus.com/hamburg-1725-berlin-1765-wien-1800/
  • Langeloh, Jacob (2019): Der Islam auf dem Konzil von Basel (1431–1449). Eine Studie mit Editionen und Übersetzungen unter besonderer Berücksichtigung des Johannes von Ragusa. Wiesbaden: Harrassowitz (= Corpus Islamo-Christianum, Series Latina). i.V.

Artikel

  • “‘Minorem probat per simile’. Analogical Reasoning in the Commentaries on Aristotle’s Politics by Albert the Great and Thomas Aquinas” In: Matthias Lutz-Bachmann, Delphine Carron, Anselm Spindler, Marco Toste (Hgg.): Von Macht und Herrschaft. “Potestas” und “dominium” in der politischen Theorie des 13. und 14. Jahrhunderts. Frankfurt: Campus, 2018 (= Schwächediskurse und Ressourcenregime/Discourses of Weakness and Ressource Regimes, 3).

In Vorbereitung

  • “Reasoning with Riccoldo. John of Ragusa’s Fragmentum de Conditionibus Legum, written at Constantinople (?) c. 1437.” erscheint in: Kurt Villads Jensen, Davide Scotto (Hgg.): Riccoldo da Monte di Croce (+1320). Missionary to the Middle East and Expert on Islam. Stockholm, 2020.
  • “Waging war for justice. Utopian wars and the Roman expansion.” (eingereicht)
  • (mit Juliane Hauser): „Bücher für die Mission. Johannes von Ragusa und die Schriften über den Islam im Basler Predigerkloster des 15. Jahrhunderts“. (eingereicht)

Übersetzungen

  • Athanasius Kircher, Musurgia Universalis sive Ars magna consoni et dissoni, Rome 1650.

Revision der Lateinisch-Deutschen Übersetzung von Günter Scheibel. Etwa 1300 Seiten lateinisches Original, 1700 Seiten Übersetzung. Digital publiziert unter: http://www.hmt-leipzig.de/de/home/fachrichtungen/institut-fuer-musikwissenschaft/forschung/musurgia-universalis

Rezensionen

  • “Pachurka, Daniel. Ricoldus de Monte Crucis: Tractatus seu disputatio contra Saracenos et Alchoranum (Corpus Islamo-Christianum, Series Latina, Bd. 9). Edition, Übersetzung, Kommentar. Wiesbaden 2016.” (Theologische Revue 2/2018)

Vorträge (Auswahl)

12.9.2018 (mit Juliane Hauser): „Bücher für die Mission. Schriften über den Islam im Basler Predigerkloster des 15. Jahrhunderts“. 41. Kölner Mediaevistentagung: Die Bibliothek. Denkräume und Wissensordnungen, Köln, 10.–14.9.2018.

6.7.2018: „How history happens. Contingency and finality in the political philosophy of Marsilius of Padua, John Quidort of Paris and Dante Alighieri“. International Conference: Marsilius of Padua between History, Philosophy and Politics, Leuven, 6.–7.7.2018

4.7.2018: „Reworking and Remembering. The use of Riccoldo de Monte di Croce’s Contra legem saracenorum in later anti-Islam treatises“. International Medieval Congress, Leeds, 2.–5.7.2018. Session organized by Kurt Villads Jensen with Rita George-Trvtković, and Davide Scotto, on Experience and Memory in Medieval Christian Polemics against Islam (Moderation: Martin M. Bauer).

8.9.2017 „Reasoning with Riccoldo. John of Ragusa’s Fragmentum de Conditionibus Legum, written at Constantinople (?) c. 1437.“ A conference organized by Kurt Villads Jensen (Stockholm University), Davide Scotto (University of Tübingen) and Mohammad Fazlhashemi (Uppsala University). Royal Swedish Academy of Letters, History and Antiquities, Stockholm 7.–8.9.2017. (Publikation in Vorbereitung)

5.10.2011 „Rationes, Auctoritates, Exempla. Zur Wissensordnung Engelberts von Admont in de ortu et fine romani imperii“. Tagung: diversitas scientia. Vielfalt des Wissens in Mittelalter und Renaissance, München, 5.–7.10.2011.

Lehrveranstaltungen an der Universität Freiburg

SoSe 2018: Thomas Hobbes: De Cive

WiSe 2017/18: Dante Alighieri: Monarchia

SoSe 2017: Thomas von Aquin: De Regno

WiSe 2016/17: Johannes von Salisbury: Policraticus

SoSe 2016: Thomas More: Utopia

WiSe 2015/16: Niccolò Machiavelli: Der Fürst

SoSe 2011: Akademische Verurteilungen (Mittelalter) – gemeinsam mit Prof. Dr. Maarten J. F. M. Hoenen.