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Vera Podskalsky

Vera Podskalsky

Kontakt

Graduiertenkolleg 1767 “Faktuales und fiktionales Erzählen”
Erbprinzenstr. 13
D-79085 Freiburg

vera.podskalsky@medienkultur.uni-freiburg.de

Wissenschaftlicher Lebenslauf

Vera Podskalsky studierte von 2010 bis 2016 Germanistik, Frankoromanistik und Ethik der Textkulturen (Elitenetzwerk Bayern) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Das Wintersemester 2012/2013 absolvierte sie an der Université Rennes 2. Während ihres Studiums übernahm sie 2011 und 2013 ein Tutorat für den Einführungskurs in die Germanistische Mediävistik, in ihrem Masterstudium Ethik der Textkulturen lag der Schwerpunkt dann auf Neuerer deutscher Literatur. Ab 2014 arbeitete sie als studentische Hilfskraft am Erlanger Zentrum für Literatur- und Naturwissenschaften (ELINAS) mit. Ihre Masterarbeit “Vorsicht Satire!” Jan Böhmermann und die PARTEI: Neue Formen der Satire im 21. Jahrhundert und ihre ethische (Un-)Begrenztheit wurde 2017 mit dem Rudolf-von-Raumer-Preis des Alumnivereins Germanistik für herausragende Abschlussarbeiten ausgezeichnet. Im Anschluss an ihr Studium in Erlangen begann Vera Podskalsky außerdem ein weiteres Masterstudium in Journalistik an der Universität Leipzig. Seit April 2017 promoviert sie am Graduiertenkolleg „Faktuales und fiktionales Erzählen“. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen: Narratologie, Verbindung Literatur- und Medientheorie.

Dissertationsprojekt

„Make factuality sexy again“? Institutionelle und epistemische Antagonismen in der Debatte über das Postfaktische [Arbeitstitel] (Betreuer/Betreuerin: Prof. Dr. Stephan Packard, Prof. Dr. Evi Zemanek)

Projektbeschreibung

Seit 2016 ist der Begriff des Postfaktischen in der medialen und wissenschaftlichen Debatte allgegenwärtig. Er bezieht sich auf Veränderungen im Umgang mit Wahrheit(-sansprüchen) in politischen Diskussionen. Journalist_innen und Wissenschaftler_innen nehmen in der Debatte eine Doppelrolle ein: Sie fungieren einerseits als Beobachter_innen, die Phänomene wie Fake News beschreiben, und agieren andererseits als politische Akteur_innen, deren Wahrheitsanspruch angegriffen wird.

Im Dissertationsprojekt wird ein diskursanalytischer Ansatz verfolgt, innerhalb dessen die Diskussion über das Postfaktische selbst als Bestandteil von Aushandlungsprozessen über Wahrheitsansprüche verstanden wird. Ausgangsannahme der Arbeit ist, dass die Debatte durch semantische Unschärfe gekennzeichnet ist und heterogene Phänomene unter dem Label „postfaktisch“ subsumiert werden (Schaal), gleichzeitig aber durchaus Spezifika im faktualen Wahrheitsanspruch auftreten, die allerdings in anderer Weise zu beschreiben sind. Statt die Diagnose eines generalisierend ausgerufenen epistemologischen Bruchs zu übernehmen, werden diskursanalytisch Kategorien herausgearbeitet, die für die Beschreibung dieser Spezifika heuristisch fruchtbar gemacht werden können.

Die Arbeit setzt sich aus zwei Analysekomplexen zusammen: Im ersten Teil wird die Debatte über das Postfaktische anhand von ausgewählten englisch- und deutschsprachigen journalistischen und populärwissenschaftlichen Texten auf einer Meta-Ebene betrachtet. Das diskursive Umfeld, innerhalb dessen die Beschreibung eines postfaktischen Zeitalters entstanden ist, wird als Postfaktualitäts-Dispositiv beschrieben. Es wird gezeigt, inwiefern das Postfaktische innerhalb dieses Dispositivs verschiedenen Idealen der Faktualität gegenübergestellt wird, die in der Debatte selbst erst ex negativo konstruiert werden. Diese Ideale und ihre Bestandteile werden genauer beschrieben, um im Anschluss den strategischen Einsatz des Dispositivs zu diskutieren.

Im zweiten Teil wird anhand von politischen Reden, Interviews, Online-Artikeln und ‑Kommentaren sowie Fact-Checks ein einschlägiges Beispiel der Debatte analysiert: die Diskussion um Trumps Zuschauermenge und Kellyanne Conways Begriff der „alternativen Fakten“. Es wird untersucht, auf welche Weise innerhalb von als postfaktisch geltenden Situationen Glaubwürdigkeit erzeugt und Wahrheitsansprüche ausgehandelt werden. Dabei wird gezeigt, auf welchen Ebenen Antagonismen nicht nur als rhetorische, sondern auch als zugrundeliegende diskursive Strukturen zu Tage treten.

Der dritte Teil der Arbeit stellt die Zusammenführung der ersten beiden Teile dar, es werden das Verhältnis von Beschreibung und Beschreibungsgegenstand und die Wechselwirkungen der Debatte mit ihrem Thema untersucht.

Publikationen

  • Jan Böhmermanns Unternehmen Reichspark – Satirische Mockumentaries und ihre Bedeutung für faktuale Wahrheitsansprüche, in: Bidmon, Agnes/ Lubkoll, Christine (Hrsg.): An den Schnittstellen von Fakt und Fiktion. Berlin: De Gruyter (in Vorbereitung).
  • Jan Böhmermann und Die PARTEI: Neue Formen der Satire im 21. Jahrhundert und ihre ethische (Un-) Begrenztheit. Würzburg: Ergon, 2017.                        
  • Lesen mit Ricœur – Das Konzept der „narrativen Identität“ am Beispiel von Sten Nadolnys Weitlings Sommerfrische, in: Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft 61 (2017).         
  • [Rez. von] Häusler, Maximilian: Die Ethik des satirischen Schreibens. Karl Kraus, Hermann Broch und Robert Musil. Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 2015. Ersch. in: Germanistik 57 (2016), Heft 3-4 [5626].

Vorträge

  • Epistemologische und institutionelle Antagonismen. Diskursanalytische Beobachtungen zur Debatte über das Postfaktische – Forschungskolloquium NDL, Erlangen, 11.11.2019.
  • Jan Böhmermanns Unternehmen Reichspark – Satirische Mockumentaries und ihre Bedeutung für faktuale Wahrheitsansprüche – Tagung: An den Schnittstellen von Fakt und Fiktion. Formen und   Funktionen dokufiktionalen Erzählens in der Gegenwart, Erlangen, 07.11.-09.11.2019. 
  • Fake News: Was sagt die Wissenschaft? – Tag der Medienkompetenz, Düsseldorf, 05.11.2018.
  • Objective Truth vs. Bullshitting? Dealing with Truth in the Debate about Post-Truth – Tagung: Truth or Post-Truth? Reality, Factivity, and Current Perspectives in Pragmatism and Hermeneutics, Freiburg, 12.01.-13.01.2018                          
  • Postfaktische Narrationen im Internet im Spannungsfeld von Faktualität und Fiktionalität – Erzähltheoretisches Kolloquium, Hamburg, 07.12.2017.
  • Unvernehmlicher Kampf mit der Wahrheit? Diskursanalytische Betrachtungen des Konflikts um Fake News – Graduiertenworkshop: Erzählen im Wandel. Den Fokus verschieben, Freiburg, 27.-18.10.2017
  • [zus. mit Timo Sestu]: Die postfaktische Rede vom Postfaktischen. Grundsätzliche Überlegungen zum Status von Fake News und zur Debatte über Postfaktizität –Tagung: Nach bestem Wissen…? Interdisziplinäre Zugänge zu einem allgegenwärtigen Problem, Erlangen, 28.07.-29.07.2017                                            
  • Fake News-Geschichten und Hybrid-Erzählungen: NarratologischeAnalysen im Spannungsfeld von Faktualität und Fiktionalität – Workshop: Fakt/Fiktion: Referentielle Multimodalität in der digitalen Medienkultur, Tübingen, 01.-02.06.2017

Organisation von Konferenzen

[zus. mit Deborah Wolf]: Organisation der Tagung: Mit Fiktionen über Fakten streiten. Fake News, Verschwörungstheorien und ihre kulturelle Aushandlung, 28.–30.11.2019, Freiburg

Mitgliedschaften

seit 08/2018 Mitglied der wissenschaftlichen Redaktion der Zeitschrift Medienobservationen