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Verena Linder-Spohn

Verena Linder-Spohn

Portrait von Patrick Galke

Kontakt

Graduiertenkolleg 1767 „Faktuales und fiktionales Erzählen“
Erbprinzenstr. 13
D-79085 Freiburg

Wissenschaftlicher Lebenslauf

Verena Linder-Spohn studierte von 2008 bis 2015 an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg die Fächer Klassische Philologie (Latein), Germanistik und Geschichte. Während ihres Studiums war sie als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl Mittelalterliche Geschichte (Prof. Dr. Birgit Studt) tätig, an dem sie ein Tutorat zur Einführung in die Geschichtswissenschaft übernahm. Sie arbeitete außerdem als studentische Hilfskraft im SFB 1015 Muße. Konzepte, Räume, Figuren (Teilprojekt C1: Paradoxien der Muße im Mittelalter. Paradigmen tätiger Untätigkeit in höfischer und mystischer Literatur) mit und leitete ein Mentorat zur Vorbereitung auf die Staatsexamensklausur Ältere deutsche Literatur am Deutschen Seminar. Von 2012 bis 2015 war sie Stipendiatin des Deutschlandstipendiums. Ihre wissenschaftliche Arbeit mit dem Titel „Heilsgeschichte erzählt: Zur Integration von Auszügen aus Bruder Philipps Marienleben in Von Gottes zukunft Heinrichs von Neustadt (München, BSB, Cgm 5092)“ wurde vom Verband der Freunde der Universität Freiburg im Breisgau e.V. mit einem Stipendium gefördert und mit dem Preis der Alumni Freiburg für hervorragende Abschlussarbeiten (Philologische Fakultät) ausgezeichnet.
Seit Oktober 2015 promoviert sie als Kollegiatin des Graduiertenkollegs 1767 Faktuales und Fiktionales Erzählen.
Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen die geistliche Literatur des Mittelalters, insbesondere Bibelepik und Gebetsliteratur, Laienfrömmigkeit sowie die historische Narratologie.

Dissertationsprojekt

Vom Du-Erzählen. Die Du-Anrede als narrative Strategie in volkssprachlichen religiösen Texten des späten Mittelalters
(Betreuerinnen: JunProf. Dr. Henrike Manuwald und Prof. Dr. Monika Fludernik)

Projektbeschreibung:

Das Projekt untersucht die Erzählhaltung der narrativ gebrauchten Du-Anrede, die sich insbesondere in religiösen Texten des späten Mittelalters nachweisen lässt (bibelepische Erzählungen wie Christi Hort Gundackers von Judenburg oder  Von Gottes zukunft Heinrichs von Neustadt, Andachtsbücher wie Bertholds Zeitglöcklein und in Gebetbüchern und religiösen Sammelhandschriften überlieferte Gebetstexte).

Ausgehend von Beschreibungskategorien, die anhand moderner Texte entwickelt wurden, soll in einem ersten Teil ein Instrumentarium entwickelt werden, mit dem der Modus der Du-Erzählung erfasst werden kann. Die schwer fassbare Erzählhaltung erweist sich dabei als Erkenntnisfeld für eine historisch arbeitende Narratologie und verspricht Einblicke in die Funktionsweisen mittelalterlichen religiösen Erzählens, das zur Überschreitung von Gattungsgrenzen und zur Hybridisierung von Sprechhaltungen tendiert, sich in einem besonderen Spannungsfeld von Fiktionalität und Faktualität bewegt und eine vielschichtige Kommunikationssituation kreiert.

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt jedoch darin, die Befunde der narratologischen Analyse für eine Untersuchung der Funktionen fruchtbar zu machen. Basierend auf der Annahme, dass die Du-Erzählform und die jeweiligen Inhalte der Texte in einem reziproken Verhältnis stehen, soll das ihr innewohnende performative, immersive und identitätsstiftende Potenzial sowie ihre Funktionalisierung in einem volkssprachlich-laikalen Kontext ebenso beleuchtet werden wie ihre Einsatzmöglichkeiten, die nicht selten auch von einem Miteinander von Text und Bild bestimmt sind.

Damit trägt die Arbeit nicht nur dazu bei, einen spezifisch mittelalterlichen Erzählbegriff zu schärfen, sondern verspricht Einblicke in den Kontext der spätmittelalterlichen Laienfrömmigkeit.

Presentations

  • Nov 2017. „Sinner and Saint. Imaginations of the Christian Body and the commitment to Christian values in the late medieval Gebet vom Leben der Heiligen Elisabeth“ – Conference „Re-Imagining the Christian Body. Interdisciplinary Conference“, University of Turku (accepted)
  • Sep 2017. „Übersetzen als Brückenschlag zum Seelenheil in volkssprachlichen religiösen Erzählungen des Mittelalters“ – Conference „Germanistik im Umbruch“, University of Santiago di Compostela (accepted)
  • May 2017. „Inscribing oneself in the Christian Universe. Strategies of Self-Characterization in Religious Texts from the Late Middle Ages“ – The 52nd International Congress on Medieval Studies, Kalamazoo, MI
  • May 2017. „(K)ein wirkmächtiges Ding? Die mittelalterliche Vorstellung von sakralen Dingen und ihrer Handlungsmacht am Beispiel der vera eicon in der religiösen Dichtung Christi Hort und den Gedichten des ›Wilden Mannes‹“ – OFFG (doctoral colloquium, held by the Universities of Oxford, Freiburg, Fribourg and Genf) in Freiburg, Germany
  • March 2017. „ich han sein antlutz hie. Das Schweißtuch der Veronika als wundertätiges ‚Ding‘ in Gundackers von Judenburg Christi Hort und anderen Pilatus-Veronika-Legenden des (späten) Mittelalters“ –   Conference ‚Das Verhältnis von res und verba. Zu den Narrativen der Dinge‘ in Neuchâtel , Switzerland
  • March 2017. „Textuelle Form als Geheimnisträger –  Strategien der Nähesprachlichkeit in Gundackers Christi Hort und in Von Gottes zukunft Heinrichs von Neustadt als Schlüssel zum Geheimnis des Glaubens“ – Conference‚ 17. Mediävistensymposium‘ in Bonn, Germany
  • Dec 2016. „Die Du-Form als narrative Strategie im Grenzgebiet von Gebet und Erzählung in volkssprachlichen Texten des Spätmittelalters“ at Workshop „7. Wuppertaler Graduiertenforum Narratologie“, Wuppertal, Germany
  • Nov 2016. Invitation as specialist to open forum at Workshop „Erzählte schrifttragende Artefakte: Fakten und Fiktionen“ der Arbeitsgruppe „Metatexte und schrifttragende Artefakte“ des Sonderforschungsbereichs 933. Heidelberg, Germany
  • April 2016. „Vom Du erzählen“ – OFFG (doctoral colloquium, held by the Universities of Oxford, Freiburg, Fribourg and Genf) in Fribourg, Switzerland.

Lehre

  • Latein II (SLI, Klassische Philologie, University Freiburg) im WiSe 2014/15, SoSe 2015, WiSe 2015/16, SoSe 2016
  • Begleitseminar zur “Einführung in die mittelalterliche Sprache und Literatur” (Deutsches Seminar, Universität Freiburg) im WiSe 2016/17

Organization

  • Feb 2017. Conference „Renarrativierung in der Vormoderne. Funktionen – Transformationen – Rezeption“, February 23-25, Liefmannhaus, University of Freiburg; with Sebastian Kleinschmidt and Thorsten Glückhard

Publications

  • Ich han sein antlutz hier. Bedeutungszuschreibung zwischen theologischer Interpretation und Rezipientensteuerung im Netzwerk um die vera eicon in der spätmittelalterlichen Dichtung Christi Hort.Res et verba. Zu den Narrativen der Dinge. Rombach (litterae) (in preparation).
  • with Sebastian Kleinschmidt. “Was ein Rahmen möglich macht: Die mittelalterliche Vision als ‚Spielraum‘ des Fiktionalen.“ Geschichte der Fiktionalität. Ergon Verlag. (in preparation).
  • with Sebastian Kleinschmidt and Thorsten Glückhardt (Hgg). Renarrativierung in der Vormoderne. Ergon Verlag (in preparation).